27-11-2009
27.11.2009 Die Zukunft: FOSS Central Milk Testing Symposium, 18.-20. November, Amsterdam
Rund 170 Teilnehmer aus über 30 Ländern besuchten letzte Woche das FOSS Central Milk Testing Symposium (CMT) und allen ging es vornehmlich um ein Thema: Wie können wir den sich ändernden Geschäftbedingungen und den daraus entstehenden Herausforderungen begegnen?
Eine Reihe von Präsentationen vermittelten einen Einblick in die jeweiligen Entwicklungen im Bereich der Milchuntersuchung und identifizierten mehrere Möglichkeiten, wie wir zukünftigen Anforderungen bei der Milchuntersuchung gerecht werden können.
In seiner Eröffnungsrede umriss Torben Ladegaard, CEO bei FOSS, die anhaltende strategische Verpflichtung von FOSS auf diesem Sektor. “Wir verfolgen zwei Strategien”, sagte er. “Mit der einen geht es uns darum, neue Geschäftsmöglichkeiten zu generieren, mit der anderen, Sie alle effektiver zu machen.”
Wie wichtig diese beiden Strategien sind, wurde von Preben Mikkelsen, President, PM Food & Dairy Consulting, Dänemark, in einem differenzierten Überblick über den Milchsektor bestätigt.
In den meisten Ländern sind Milchpreise um 30% gefallen, während Kosten für Futtermittel und Kraftstoff geblieben sind oder gar ansteigen. Milchabkommen werden rückgängig gemacht und damit auch der Schutz für lokale Märkte. “Ganz gleich wo in der Welt Sie Ihre Produktionsstätte haben, Sie müssen sichere, hochwertige Produkte erzeugen”, sagte Mikkelsen. Man rechnet damit, dass die gegenwärtige Krise Mitte 2010 abflaut und dass nach dieser turbulenten Situation die Langzeit-Indikatoren auf Stabilität hinweisen. Bevölkerungswachstum und Nachfrage im Allgemeinen werden steigen. In der Milchproduktion wird bis 2015 mit einem Wachstum von 12% und bis 2020 mit einem Wachstum von 25% gerechnet, wobei Entwicklungs- und Schwellenländer die Hauptantriebskräfte darstellen. “Die Zukunft ist nach wie vor positiv”, sagte er.
Evolutionsstrategien rund um die Welt
Harrie van den Bijgaart, Betriebsleiter der Labore von Qlip N.V. in den Niederlanden beschrieb, wie Milchuntersuchung mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wird wie alle andere Sektoren.
Entwicklungen wie der anhaltende jährliche Rückgang von 4% bei der Anzahl von Milchbauern und On-Farm-Milchuntersuchung sind unvermeidlich. Ausschlaggebend ist hier jedoch, dass wir die Konzepte begreifen und Kundenanforderungen identifizieren. Neue Parameter wie ungesättigte Fette, Screening auf Ketose und Milchverfälschung sind Beispiele für neue Geschäftsmöglichkeiten. “Sie müssen mit Ihren Kunden zusammenarbeiten”, sagte van den Bijgaart. “Milch birgt nach wie vor ungeahnte Schätze.”
Harrie van den Bijgaart, Qlip NV: “Milch birgt nach wie vor ungeahnte Schätze.”
Im Rahmen einer Besichtigung des Labors führte er eine Anzahl von Optionen zur Verbesserung von Laborabläufen und Geschäftsmöglichkeiten an. Unter anderem beschrieb er ein hochmodernes Kennzeichnungssystem, das Effizienz und flexiblen Service gewährleistet. Qlip managt täglich circa 55.000 Proben (Bezahlung und Aufzeichnung) für 19.500 Landwirtschaftsbetriebe. Eine Kennzeichnung der Proben mit RFID-Technologie und GPS-Identifikation vom Standort des Abholfahrzeugs vereinen die Daten des Labors automatisch mit den Abholstellen und den jeweiligen Anforderungen des Landwirts. Fordert der Landwirt zum Beispiel einen bestimmten Parameter für die Viehbestandsoptimierung, kann dies im RFID-Chip im Flaschenstativ zur entsprechenden Handhabung im Labor aufgezeichnet werden.
Das Thema der optimalen Nutzung aller verfügbaren Informationen aus einer Milchprobe wurde von Jamie Zimmerman, General Manager von Dairy One, USA, weiter ausgeführt. “Neue Informationen von der Milchprobe weisen ein echtes Potenzial auf, diese optimal zu nutzen - ich begrüße die Arbeit, die FOSS leistet”, sagte er.
Dairy One ist eine Genossenschaft, die für circa 5200 Landwirtschaftsbetriebe in einem 14 Staaten umfassenden Gebiet DHI-Dienstleistungen bereitstellt. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Serviceleistungen für zugehörige Bereiche wie Grünfutter, Boden, Wasser und Dünger. “Wir handeln mit Informationen – mit allem, was Landwirten dabei behilflich ist, Gewinne zu erzielen”, sagte Zimmerman.
Die innovative Nutzung von Netzwerk- und Computertechnologie wie die RINA und Mosaic Netzwerksoftware von FOSS trägt dazu bei, Informationen zu nutzen, zum Beispiel durch Ergänzung der Milchuntersuchungsdaten durch Daten über Futtermittel und Dünger für den präzisionsbestimmten Ansatz, der heute in der Landwirtschaft benötigt wird. Bestandteil des Services ist eine Agronomie-Softwarelösung wie auch ein engagiertes Team, das Landwirten dabei behilflich ist, Software auf landwirtschaftliche Aufgaben anzuwenden.
Auch in China ist eine Umstellung auf größere Milchviehherden zu beobachten. Zheng Xiaoping, stellvertretender Betriebsleiter der Shanghai NOD Testing Service Co., Ltd., erklärte, wie Herden in der Gegend um Shanghai von durchschnittlich 200 im Jahre 2002 auf 500 im Jahre 2009 angewachsen sind. Bezahlungsanalysen wurden 1996 eingeführt, und die Gegend um Shanghai verfügt nun über ein gut funktionierendes Bezahlungsprogramm basierend auf Fett, Protein, somatischen Zellzen und weiteren Parametern. Der Fettgehalt konnte zwischen 2002 und 2006 um 5,5% verbessert und der Proteingehalt zwischen 2002 und 2007um 7,6% gesteigert werden.
Neil Petreny, General Manager, CanWest DHI, Kanada, machte Vorschläge, wie wir bei der Viehbestandsoptimierung die Nase vorn halten können.
Der Einsatz neuer wertsteigernder Serviceleistungen zur optimalen Nutzung vorhandender Sammelinfrastrukturen ist unerlässlich. CanWest versorgt 4300 Milchbauern in drei Zeitzonen, und diese bestehenden Stärken können im Hinblick auf Datenintegration, Kosten pro Probe, Einsparungen durch Massenproduktion und Anwenderfreundlichkeit weiter ausgebaut werden. Die Serviceleistungen können Zusatzinformationen bezüglich der Milchproben berücksichtigen, insbesondere im Zusammenhang mit der Gesundheit und Ernährung der Kühe. Die Identifizierung subklinischer Ketose durch eine Analyse von Aceton/BHB ist nur ein Beispiel dafür. “Es ist von höchster Bedeutung, dass Labore den On-Farm-Technologien fünf bis zehn Jahre voraus haben”, sagte Petreny. “Innovation wird die Zukunft von DHI und zentraler Untersuchung langfristig sichern.”
Das Potenzial des Fettsäurenprofils
Das Konzept einer weiterführenden Ausnutzung der ermittelten Informationen in Milchproben wurde im Rahmen einer Sitzung über das Potenzial des Fettsäurenprofils beleuchtet.
Ben Bartlett, NML Director und Leiter der NMR Group Business Development, UK, erklärte, dass die Analyse von Fettsäuren einen neuen Markt darstellt. Eine Schockkampagne der Regierung mit dem Ziel, Langzeit-Gesundheitskosten durch gesündere Ernährung zu reduzieren, hatte keine Auswirkungen auf die Essgewohnheiten. Dadurch richtete sich das Augenmerk auf Möglichkeiten, eine gesündere Fettaufnahme in die bestehende Ernährungsweise zu integrieren. Milchprodukte machen 30-40% des Verbrauchs gesättigter Fette aus, und eine bessere Kontrolle des Gehalts von gesättigtem und ungesättigtem Fett ist von großem Interesse.
Pierre Weill: “Die Zusammensetzung von Fettsäuren ist in der Milch gespeichert”
Zusammen mit der University of Reading arbeitet FOSS an der Entwicklung der richtigen Industrielösung. Zu den Aspekten dieser Bemühungen gehören Instrumente und Kalibrationen, Futtermittelversuche, Produktionsmethoden sowie eine auf Landwirte ausgerichtete Kommunikationskampagne. Bartlett betonte, dass die Vorteile einer Fettsäurenprofilierung über den Aspekt der menschlichen Gesundheit hinausgehen. “Wir befassen uns mit Vorteilen für die Gesundheit, für Kühe und für die Umwelt”, sagte er.
Pierre Weill, Vorsitzender von Valorex, französischer Hersteller extrudierter Futtermittel, führte dieses Thema aus und erklärte unter anderem, wie sich das Futtermittel auf die Zusammensetzung gesättigter Fette auswirkt. “Die Zusammensetzung von Fettsäuren ist in der Milch gespeichert”, sagte er.
Neben gesundheitlichem Nutzen führt eine bessere Ausgewogenheit ungesättigter Fette zu wünschenswerten Produkteigenschaften wie Weichheit des Käses, da diese Eigenschaften in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Schmelzpunkten der verschiedenen Fettsäuren stehen. Die Ausgewogenheit der Fette steht auch in Beziehung zur Gesundheit und zu dem Methanemissionen der Kühe. Die Zusammensetzung von Fettsäuren in Milch trägt somit dazu bei, den Ernährungswert von Milch, die Eigenschaften von Milchprodukten, Futtereffizienz und den ökologischen Fußabdruck von Herden zu verbessern.
Hilfsmittel für die Zukunft
Bestandteil der Hauptthemen waren Präsentationen von FOSS über zugehörige Produktentwicklungen.
Per Waaben Hansen, wissenschaftlicher Leiter bei FOSS in Dänemark, führte auf, wie Kalibrationsarbeit die Leistung von Milchanalysensystemen verbessert, durch eine bessere Nutzung einer riesigen Menge verfügbarer Daten mit Hilfe der FTIR-Technologie (Fourier Transform Infrarot). “Wir können Dinge finden, nach denen wir gar nicht gesucht haben”, sagte er und führte Beispiele an, wie die Möglichkeit, Abnormitäten in Milch aufgrund von Verfälschungen zu erkennen.
Steen Kold-Christensen, Senior Business Manager, stellte das Konzept eines proaktiven Viehbestandsmanagements mit dem Herd Navigator System vor. “Es handelt sich hier um ein Frühwarnsystem für Landwirte”, sagte er. Mit diesem System können präventive Maßnahmen im Rahmen der Reproduktion, Ernährung zur Eutergesundheit (Mastitis) und futtermittelspezifischer Krankheiten ergriffen werden, die potenziell beachtliche Einsparungen für den Landwirt bedeuten können.
Torsten Hansen, Manager Software Solutions, berichtete über den Stand der Entwicklungen der Vernetzungstechnologie für zentrale Milchuntersuchungslaboratorien, die eine präzise und einfache Verwaltung, Konfiguration, Unterstützung und Überwachung über das Internet ermöglichen. Die Technologie wird auf dem milchverarbeitenden Sektor bereits eingesetzt und führt erwiesenermaßen zu einer drastischen Reduzierung von Wartungs- und Betriebskosten, während gleichzeitig die verfügbare Betriebszeit Ihres Geräts gewährleistet wird.
Torben Ladegaard, Managing Director von FOSS, beglückwünschte Symposiumsorganisation Anja Willumsen zu einer gelungenen Veranstaltung.
Exkursionen zum Qlip Labor und zum Milchbetrieb Ten Kate
Am nächsten Tag besichtigten viele Teilnehmer des Symposiums das hochmoderne Milchuntersuchungslabors Qlip und den Milchbetrieb Ten Kate, einen modernen Landwirtschaftsbetrieb, der das Herd Navigator System einsetzt. Berichte über die jeweiligen Besichtigungen sind unter www.foss.dk zu finden.